Warum in die Ferne schweifen I

Weiter unten noch die Anekdote    Mit dem Wohnwagen auf dem Riedcampingplatz 

 

„Dieses Joahr kenne mä im Summä laadä net in Urlaab foahrn“, väkindete i(s)ch meunä Familje oam Sundaachsfriehschticksdisch.

Eisi(s)ches Schwei(s)che vun Marie(s)che, Macko un Lisett(s)che wor die Oantwordd.

„Woarim denn net?“ froate entsetzt Macko, „in meunä Klass duhn se alle er(s)chendwo hiefohrn.“

„Mä hobbe nemmä viel Geld“, väklärte i(s)ch, „uugliggli(s)chäwaas hodde mä viel Sunnäaasgaabe.

Zuerst die nei Woaschmaschin, doann noch de Elektroherd un ähn neie Fernsehä muuste aach hä.

Du Macko, wollst joa net väzi(s)chte uf deu bleed Sennung  De bluudrinsti(s)ch Erik, eun grausoamä Wikingä.  Zwamoal die Woch hocksde devo un nix daff di(s)ch schteern. Mit offene Meil(s)che hocksde vo de Glotz, goans glaasi(s)ch Aache duhsde krieje, wenn die deiflisch grausoame Manne de Bauern die Kepp oabhacke  un ihre Hitte väbrenne. Un du Marie(s)che willst aach immä die wechentli(s)ch Sennung  Loangohrmuckel net väbasse.“ 

„Mä kennte doch wäni(s)chstens noach Holland foahrn“, moante ma Fraa Lisett(s)che, „sowie vo zwa Joahrn. Dä Kempinguulaab woar zwa net groad  ähn Luxusufenthoalt, awä bessä als nix.“

Selwst doa defier fehlt uns des Geld. Mä kenne aach im Gadde hocke un un`s gemietli(s)ch mache.“

Meun Voschloach fiel uf koa Begaasterung. „Eune Mee(s)chli(s)chkaat hebb i(s)ch noch oazubiete“, soate i(s)ch doann, „ufän Riedkempingplatz Dschungelcamp hodd de Krumm Gintä ähn Dauerschtellplatz. Zur Zaat hoddä koan Wohnwoage dordd schtehe, ä will erst noachäm Summä wirrä

oanä kaafe. I(s)ch hebb schun mittäm geschproche, wä kennte dort fer eun poar Woche ähn oalde Wohnwoage hieschtelle un braache ihm aach nix bezoahle.“

„Wo seun des ?“  froate Lisett(s)che, „un wo krieje mä ähn Wohnwoage giensdi(s)ch hä?“

„Nur finfunzwoanzi(s)ch Kilometä seun de Dschungelcamp vun unserm Ordd entfernt. Fier de    Wohnwoage misse in däm Oazei(s)chblatt gucke, doa wern schun goanz billi(s)che oageboote.“

Sofodd dahte mä des Blatt suche un guckte doann noach däm Äwinschte. Dahtsä(s)chli(s)ch: Mä foande aach ähn giensdi(s)ch Oageboot. Oaldä Wohnwoage zu väschenke stoand doa un äh Delefonnummä dezu. I(s)ch delefonierte un äfuhr  de Woage wor noch zu krieje.

Doa hielt uns nix mä. Wä vier un die Hindin Trude fliddsde mit unserm Auto sofodd dordd hie, `s woar ähn Bauernhof im Ried, nur fuffzeh Kilometä vum Dschungelcamp entfernt.

Wä soahn glaa, de Wohnwoage hodd bestimmt schun iwä zwoanzi(s)ch Joahrn uffen Buckel.

Koann mä mit däm iwähaapt noch rimkutschiern, ohne doassä aasähnnannä bri(s)cht?“ froate i(s)ch kritisch zwaafelnd, „wä misse wäni(s)chtens fuffzeh Kilometä waat kimme,  bis zim Kempingbladds.“

„Och“,de Bauä winkte beruhi(s)chend oab, „des schafft dä noch.Allädings, koche un broate kenne se doa drin nemmä, die Gassleitung seun kaputt.“

„Des wär net schlimm, mä besitze ähn Gassgrill.“

„Wolle se dän hobbe?“ froate de Moann, „ woas soll i(s)ch Ihne bezoahle, wenn Se dän mitnemme?“

„I(s)ch will net uuväschämt seun“, daht i(s)ch oantwordde un daht mi(s)ch oam Hinnäkopp kratze, „kenne Se mä dän zim Dschungelkemp hiebringe? I(s)ch hebb koa  Oahängä-kupplung, awä Sie ähn Drakdor. Wennä dort noch immä goanz seun, gewwe Se uns ähn Fuffzi(s)chälappe un die Sach seun geritzt.“

De Bauä nickte. Ä dahten aach glaa zim Kempingplatz ziehe uf dän vogesehene Platz, net waat vom Baggäsee. Wä väoabschoadete uns, noachdäm ä uns dän Eiroscheu iwäraacht hodd.

Hier väbringe mä in draa Woche unsern Summäurlaab“, väkindete i(s)ch zufriede meune Liewen,  "moan(s)che Leit duhn noach Egibbte reise orra Joapoan. Wir degeje äforsche des Ried, doa umschwerre uns viele Micke, so als wärn mä im griene Amazonasdschungel.“

 

 

  Woarim in die Ferne schweife

mä kenne a dehoam jedds bleiwe

oan Bleedsinn noach däm annern dreife.

 

Mä sehn zwaa nix vun de Welt

duhn awä schpoarn sä viel Geld.

Sunnebroand krieje mä aach in Siedhesse

aaslännisch Geri(s)cht  duhn mä a hier gut esse.    

 

Mä kenne hier sä gut schwiddse

vägnie(s)cht oam kiehle Wassä siddse

orrä naggi(s)cht in de See neufliddse.  

 

 

 

 

 

Übersetzung:„Dieses Jahr können wir im Sommer leider nicht in den Urlaub fahren“, verkündete ich meiner Familie am Sonntagsfrühstückstisch.  

Eisiges Schweigen von Mariechen, Marko und Lisettchen war die Antwort.

„Warum denn nicht?“ fragte entsetzt Marko, „in meiner Klasse fahren sie alle irgendwohin.“

„Wir haben nicht mehr viel Geld“, erklärte ich, „unglücklich-erweise hatten wir sehr viele Sonderausgaben. Zuerst die neue Waschmaschine, dann noch der Elektroherd und ein neuer Ferseher musste auch her. Du Marko wolltest ja nicht verzichten auf die blöde Sendung Der blutrünstige

Erik,e in grausamer Wikinger. Zweimal die Woche hockst du davor und nichts darf dich stören. Mit offenem Mäulchen sitzt du vor der Glotze, bekommst ganz glasige Augen, wenn die teuflisch grausamen Mannen den Bauern die Köpfe abhacken und ihre Hütten verbrennen.Und du Mariechen willst auch immer die wöchentliche Sendung Langohrmuckel nicht verpassen.“

„Wir könnten doch wenigstens nach Holland fahren“, meinte meine Frau,Lisettchen, „sowie vor zwei Jahren. Der Campingurlaub war zwar nicht gerade ein Luxusaufenthalt, aber besser als nichts.“

„Selbst dafür fehlt uns das Geld. Wir können auch im Garten sitzen und es uns gemütlich machen.“

    Mein Vorschlag fiel auf keine Begeisterung. „Eine Möglichkeit habe ich noch anzubieten“, sagte ich dann , „auf dem Riedcampingplatz Dschungelcamp hat der krumme Günter einen Dauerstellplatz. Zur Zeit hat er dort keinen Wohnwagen stehen, er will erst nach dem Sommer einen neuen kaufen.Ich habe schon mit ihm gesprochen, wir könnten dort für ein paar Wochen einen alten

Wohnwagen hinstellen und brauchen ihm auch nichts bezahlen.“

„Wo ist das?“ fragte Lisettchen, „und wo kriegen wir einen günstig her?“

„Nur 25 Kilometer ist der Dschungelcamp von unserm Ort entfernt. Wegen dem Wohnwagen müssen wir im Anzeigenblatt nachsehen, da werden schon ganz billige angeboten.“

Sofort suchten wir das Blatt und guckten nach dem Erwünschten. Tatsächlich :Wir fanden auch ein günstiges Angebot. Alter Wohnwagen zu verschenken stand da und eine Telefonnummer dazu.

Ich telefonierte und erfuhr der Wagen war noch zu kriegen.

Da hielt uns nichts mehr. Wir vier und die Hündin Trude flitzten mit dem Auto dorthin, `s war ein Bauernhof im Ried, nur 15 Kilometer vom Dschungelcamp entfernt.

Wir sahen gleich der Wohnwagen hatte bestimmt schon über 20 Jahre auf dem Buckel.

„Kann man mit dem überhaupt noch rumkutschieren, ohne dass er auseinanderbricht?“ fragte ich kritisch zweifelnd, „wir müssen wenigstens 15 Kilometer weit kommen, bis zum Campingplatz.“

„Och“,der Bauer winkte beruhigend ab, „das schafft der noch. Allerdings,kochen und braten können sie darin nicht mehr, die Gasleitung ist kaputt.“

„Das wäre nicht schlimm, wir besitzen einen Gasgrill.“

„Wollen Sie den haben?“ fragte der Mann, „was soll ich Ihnen bezahlen,damit Sie den mitnehmen?“

„Ich will nicht unverschämt sein“, antwortete ich und kratzte mich am Hinterkopf, „können Sie mir ihn zum Dschungel- camp hinbringen? Ich habe keine Anhängerkupplung, aber Sie einen Traktor. Wenn er dort immer noch ganz ist, geben Sie uns einen Fünfzigerlappen und die Sache ist geritzt.“

Der Bauer nickte und zog ihn auch gleich zum Campingplatz zum vorgesehenen Stellplatz, nicht weit vom                       Baggersee.   Wir verabschiedeten uns, nachdem er uns den Euroschein überreicht hatte.

           „Hier verbringen wir in drei Wochen unseren Sommerurlaub“, verkündete ich zufrieden meinen Lieben, „manche Leute reisen nach Ägypten oder Japan. Wir dagegen erforschen das Ried,

da umschwirren uns viele Mücken so als wären im grünen Amazonasdschungel.“

Warum in die Ferne schweifen

wir können jetzt auch zuhause bleiben

einen Blödsinn nach dem andern treiben.

 

Wir sehn zwar nichts von der Welt

sparen aber dafür sehr viel Geld.

Sonnenbrand kriegen wir auch in Südhessen

ausländische Gerichte tun wir hier auch gut essen.