Einbürgerung II

„Vo uugefäh eunäm Joahr hodde mä hier in unsrä Kneip iwä die Euber(s)chärung gebabbelt“, äeffnete Klausi, unsä Scheff-Filosoof un Dorffdi(s)chtä die Filosooferund, „de Hä Schor(s)chi Schnabbelschnut“; ä daht uf mi(s)ch deite, „moante als Iwäpriewung kennte mä äwadde, doass die  zukienfdi(s)ch deitsch Schtoatsber(s)chärin orrä -ber(s)chä ähn Zwaazzaalä uf hessi(s)ch ufsoage misst, zim Baaschpiel:



Viele bleede Ferz im Hern
hobbe alle Deppe gern
.“
Wä beschäfdi(s)chte uns doann erst moal middäm kestli(s)che Gerstesaft, dän wo uns de Wert serviern daht. Doann, de Klausi: „Mä kennt awä aach eun annern Spruch väloange, de wo vogedraache wern misst, zim Baaschpiel:




I(s)ch duh mi(s)ch werkli(s)ch fer(s)chdäli(s)ch ar(s)ch er(s)chern
wenn mi(s)ch de schrulli(s)ch Heunri(s)ch mit peunli(s)ch Froage duht le(s)chern
.“

„Zu oaschpruchsvoll“, eißerte i(s)ch Bedenke, „des is joa schun so woas Ähnli(s)ches wie eun Dsungebre(s)chä, doa hädde selwst ar(s)ch viele oald eugesessene Hesse Schwieri(s)chkaate so woas, ohne si(s)ch zu vähaspeln, fehläfrei vozudraache.“
„Moag schtimme“, musste Klausi zugewwe, „viellaa(s)cht, dä orrä die zukienfdi(s)ch Deitsche kennt mä joa die Woahl loasse, ob so eun eufache Zwaazeilä orrä so eun kompli-
dsiertä Schpruch genomme werd. Baa däm oaschpruchsvolle kriggt de Neideitsche doann Folgendes zu heern:



Jedds hosde die Iwäpriefung foandoasdi(s)ch beschtoanne
loasst uns Schlick(s)chä Bier drinke aas de Bierkoanne
.“
„Bier moag net jedä“, daht Babett(s)che euwenne.
„S` koaan joa aach Ebbelweu seun, orrä äh Dass Kaffee, halt er(s)chendwoas de Neideitsche will. Un zim Oabschluss noch dän Schpruch:



Denk droa:
Wennde oawends musst in die Forzkuhl hippe
duh net mä als oanen orrä zwaa kippe.“


Übersetzung: „Vor ungefähr einem Jahr hatten wir in unserer Kneipe über die Einbürgerung geredet“, eröffnete Klausi, unser Chef-Filosoof und  Dorfdichter,
die Filosofenrunde, „der Herr Schorschi Schnabbelschnut“, er deutete auf mich, „als Überprüfung könnte man erwarten, dass die zukünftige deutsche Staatsbürgerin oder Staatsbürger  einen Zweizeiler auf hessisch aufsagen müsste, zum Beispiel:

Viele blöde Fürze im Hern (Hirn)
haben alle Deppen gern
.
Wir beschäftigten uns dann erst mal mit dem köstlichen Gerstensaft, den der Wirt uns servierte. Dann, der Klausi: „Man könnte aber auch einen anderen Spruch verlangen, welcher vorgetragen werden müsste, zum Beispiel:
Ich tu mich wirklich fürchterlich arg ärgern
wenn mich der schrullig` Heinrich mit peinlichen Fragen tut löchern
.“


„Zu anspruchsvoll“, äußerte ich Bedenken, „das ist ja schon so was Ähnliches wie ein Zungenbrecher, da hätten selbst viele alt eingesssene Hessen Schwierigkeiten so was, ohne sich zu verhaspeln, fehlerfrei vorzutragen.“
„Mag stimmen“, musste Klausi zugeben, „der oder die zukünftige deutsche Staatsbürgerin oder Staatsbürger könnte man die Wahl lassen, ob ein einfacher Zweizeiler oder so ein
komplizierter Spruch genommen wird. Bei dem anspruchsvollen kriegt dann der oder die Neudeutsche Folgendes zu hören:
Jetzt hast du die Überprüfung phantastisch bestanden
Lasst uns Schlückchen Bier trinken aus der Bierkanne.
“  (auf hessisch reimt es sich)
„Bier mag nicht jeder“, wandt Babettchen ein.
„Es kann ja auch Apfelwein sein, oder eine Tasse Kaffee,halt irgend etwas, was der/ die Neudeutsche will. Und zum Abschluss noch den Spruch:
Denk dran:
Wenn du abends musst in die Furzkuhle hippe  (hippe =hüpfen)
tu nicht mehr als einen oder zwei kippe(n).