War Zeit schon immer da?

 

Vo zwaa Woche hämmä iwä de Urknall gebabbelt“, begoann Babett(s)che unsre Filosoferund in de Wertschaft  Zim weise Mondmoann, „du Schor(s)chi, hosd woas gesoat, des des Universum si(s)ch aasdehne duht un doann wirrä zusoamme klatscht, doann wirrä aasdehnt un äneit zusoamme fällt un wirrä exbandiert.“

Ri(s)chdi(s)ch, Babett(s)che, du hosdes västonne.“

Des haaßt also, wenn des zehmoal bassiern duht, doann seun uugefäh vierhunnerd bis finfhunnerd Milljarde Joahrn västri(s)che. Des is doch so, newor?“

Väneunend schiddelte i(s)ch meun Wersching.“ So derffe mä des net sehe“,daht i(s)ch oantwordde, „die Zaat duht jedesmoal enne, wenn de Zusoammefall vollbroacht seun un duht jedesmoal äneit oafoange, wenn wirrä oan Urknall bassiert.“

Des västeh i(s)ch net“, gestoand Ludwi(s)ch.

Aach Klausi, Babett(s)che un de Heunä guckte ebbes bescheiert aas de Wäsch.

Stehnend iwä die Begriffsstutzi(s)chkaat meunä Freinde lehnte i(s)ch mi(s)ch zurick im Kneipestuhl un droank erst moal oan grooße Schluck Bier.

Also,des seun so“, väsuchte i(s)ch zu väklickern, „meu Biergloas seun noch halbvoll, des haaßt die Implosjon des Multiversums Bier is noch net oabgeschlosse un doamit aach net die Zaat. In zeh Minute, orrä in zwoanzi(s)ch, isses awä leer. Doaan duht aach koa Zaat exisdiern. Die duht erst wirrä eusetze, wenn unsä Wert baa diesäm Gloas eun Urknall in Goang setzt, also seun Zoapfhoahn effnet un Bier neu fließe losse duht.“

Doa duht`s awä doch äh Zwischezaat gewwe, Hä Schor(s)ch Schnabbelschnut“, woandt Klausi eu.

Fer uns schun“, äwirrerte i(s)ch, „awä net fers Bier.“

Des hobb i(s)ch västonne“, bemerkte Heunä, unsä Koamfdrinkä, „des seun hoalt de Bestimmung vo däm Bier. Es muss erst ins Gloas streehme un oaschließend vo uns geleert wern. Orrä, mä kenne aach soage: Des seun de Sinn vo de Existenz des Gerstensaftes.“

Genau,Heunä“, besdädi(s)chde i(s)ch, „du bist werkli(s)ch eun werdi(s)chä Vädrädä unsrä Filosoferund.“

So goanz seun i(s)ch mit deune Aasfiehrunge noch net euvästonne“,moante Klausi, „des Bier seun joa net väschwunne vo däm Urknall,es is halt nur im Fass.“
I(s)ch nickte. „Joa, schun. Des midddäm Bier is joa nur eun Modell un Modelle duhn halt nie die Werkli(s)chkaat hunnerdbrozenni(s)ch wirrä spie(s)chele.“

Noach diesä Väklärung nickte Klausi, ä seun ewwe unsä Schäff-Filosof un woar aach oan jänäm Owend oan Blitzkapierä. Ä reumte noch:

Soloang mä net drinke, gibt`s koa schee Zaat

 des seun halt die drauri(s)ch Werkli(s)chkaat.

Drim hocke mä vägnie(s)cht, duhn ti(s)chdi(s)ch saafe

oaschließend kenne mä nur torkle, nemmä groad laafe.“   

 

Übersetzung:„Vor zwei Wochen hatten wir über den Urknall geredet“, begann Babettchen unsere Filosofenrunde in der Wirtschaft Zum weisen Mondmann, „du Schorschi hast was gesagt, das das Universum sich ausdehnt und dann wieder zusammen klatscht, dann wieder ausdehnt und erneut zusammenfällt und wieder expandiert.“

Richtig, Babettchen, du hast es verstanden.“

Das heißt also, wenn dies zehnmal passiert, dann sind ungefähr 400 bis500 Milliarden verstrichen. Das ist doch so, nicht wahr?“

Verneinend schüttelte ich meinen Kopf. „So dürfen wir das nicht sehen“,antwortete ich, „die Zeit endet jedesmal, wenn der Zusammenfall vollbracht ist und fängt jedesmal erneut an, wenn wieder ein Urknall passiert.“

Das versteh ich nicht“, gestand Ludwig.

Auch Klausi, Babettchen und Heiner guckten etwas bescheuert aus der Wäsche.

Stöhnend über die Begriffsstutzigkeit meiner Freunde, lehnte ich mich zurück im Kneipenstuhl und trank erst mal einen großen Schluck Bier.

Also,das ist so“, versuchte ich zu erklären, „mein Bierglas ist noc hhalb voll, das heißt die Implosion des Multiversums Bier ist noch nicht abgeschlossen und damit auch nicht die Zeit. In zehn oder zwanzig Minuten ist es aber leer. Dann existiert auch keine Zeit. Die setzt  erst wieder ein, wenn unser Wirt bei diesem Bierglas einen Urknall in Gang setzt, also den Zapfhahn öffnet und Bier rein fließen lässt.“

Da gibt`s aber doch eine Zwischenzeit, Herr Schorschi Schnabbelschnut“,wandt Klausi ein.

Für uns schon“, erwiderte ich, „aber nicht für`s Bier.“

Das hab ich verstanden“, bemerkte Heiner, unser Kampftrinker „das ist halt die Bestimmung von dem Bier. Es muss erst ins Glas strömen und anschließend von uns geleert werden.Oder, wir könnten auch sagen: Das ist der Sinn von der Existenz des Gerstensaftes.“

Genau,Heiner“, bestätigte ich, „du bist wirklich ein würdiger Vertreter unserer Filosofenrunde.“

So ganz bin ich mit deiner Auffassung noch nicht einverstanden“, meinte Klausi, „das Bier ist ja nicht verschwunden vor dem Urknall,es ist halt nur im Fass.“

Ich nickte. „Ja, schon. Das mit dem Bier ist ja nur ein Modell und Modelle spiegeln halt nie die Wirklichkeit 100%ig wieder.“

Nach dieser Erklärung nickte Klausi, er ist  eben unser Chef-Filosof und war auch an jenem Abend ein Bltzkapierer. Er reimte noch:

Solange wir nicht trinken gibt`s keine schöne Zeit

das ist halt die traurige Wirklichkeit.

Drum sitzen wir vergnügt,tun tüchtig saufen

anschließend können wir nur torkeln, nicht mehr gerade laufen.“