De Babba soat, hessi(s)ch un hochdeitsch seun fast desselwe (Papa sagt, hessisch und hochdeutsch wären fast dasselbe)

 

Hessischer Dialekt

"Wisstä woarim des hochdeitsch ehä oan des Gebabbel vo de Norddeitsche oagelähnt is als oan des vo de Hesse?“ froate Klausi, unsä Schäff-Filosof, uns in de Wertschaft Zim weise Mondmoann.

Des wisse mä net“, musst i(s)ch freimiedi(s)ch zugewwe un droank ähn Schluck Bier, „si(s)chä wersde uns des glaa väroate.“

Soum siebzehhunnerdfuffzi(s)ch dahts zwaa deitsche Stoandardsproache gewwe“, informierte de Klausi, „ne norddeitsche un eune siedeitsche, zu dä si(s)ch aach unnä annere die Schweizä un Estrei(s)chä bekoannte.  Viele Leit, zim Baaspiel die Filosofe wie wä un annern intelligente Mensche, foande diesän Zustoand uuäträgli(s)ch un moante, mä misst nur eune hochdeitsche Sproach hobbe. Also droafe si(s)ch uugefäh fuffzi(s)ch bis se(s)chzi(s)ch Expärde aas goanz Deitschloand  in Fronkford un beroatschloagte, woas doa zu duhn wär. Die hessische Vätretä moante, die nei Eunhaatssproach sollte si(s)ch noach däm hessi(s)ch Gebabbel ri(s)chte. Defier däht`s guute un drifti(s)che Grind gewwe.“

Klausi musst erst moal ähn kräfti(s)che Schluck dor(s)ch seu Kehl fließe losse, bevo ä waatä väzählte.„Se dahte zim Baaspiel doalä(s)che, doass viele Wertä un Sätz foast fronzesisch klinge dähte un des wor doamoals die wi(s)chdigst Sproach in Eiropa.“

Wel(s)che Baaspiele?“ froate Babett(s)che.

Unsä Schäff-Filosof nickte. „ Wenn jemoand seu Boa välorn hodd, ähn Soldoat zim Baaspiel, doann hieß es  de Moann hodd koa Boa mä. Orrä wenns draaße koalt woar un de Babba forderte seuSeehn(s)che uf äh Jack oazuziehe, doann soatä  zickdä a o oa. Des duht doch froanzesisch klinge, newor?“

Däm konnte mä net wirräspre(s)che. „Un moan(s)che Formulierunge äinnern sogoar oan die englisch

Sproach“,ägänzte Klausi, „i(s)ch moan die Sätz mit duhn, i(s)ch duh net wisse orrä i(s)ch daht gestern Bier drinke.“

Aach jedds konnte mä net wirräspre(s)che.“Die annern Vätretä, also Bayern, Sachse, Eestrei(s)chä unsowaatä, worn net oabgenei(s)cht un wollte zuerst däm hessi(s)ch Oaliege zustimme. Ähn nordeitschä Expärd, `s wor ähn Hoambor(s)chä, zegerte noch. Doa daht de eune hessisch Vätretä, ä hieß Jakob Bleedbabblä, beleidi(s)chend wern, ä soate: De stinki(s)che Heeringsfressä sollt seu Meil(s)che geschlosse hoalte orrä noch bessä mittäm Fisch aas de Nordsee stoppe, offesi(s)chtli(s)ch hoddä mit seune Keesfieß zu oft im Wadd gestoanne un  die Mäluft seun Västoand umnäwelt. Un woas dahte die zwaa Hessekepp, die än begleitete?“ Unsä Schäff-Filosof guckte froagend die annern Filosofe oan, daht awä glaa selwä die Oantwort gewwe, „se hielte ihn net zurick un soate etwa...awä Jakob, woas babbelsde doa fer ähn Stuss, loss die Posse....noa se dahte schwei(s)che un grinste wie die Geisteskroanke.“

Des wor awä sä uufreindlich“, moante Babett(s)che.

Des koannsde laat soage“, bestädi(s)che Klausi, „aach die Siedeitsche, Eestrei(s)chä un Schweizä

dahte nur de Wersching schiddle. So sollt mä seu norddeitsche Kollä(s)che net beschimpe, wor euhelli(s)ch die Uffassung. Als de Jakob Bleedbabblä gemerkt hodd, woas äoageri(s)cht hodd, daht ä si(s)ch entschuldige, awä die Atmosfä woar vägift un doass Hessi(s)ch die Grundloag fer die nei Eunhaatssproach wär, wor doamit koan Thema mä.“

Aha,des seun also de Grund woarim de hessi(s)che Dialekt nur ähn Dialekt gebliwwe ist“, soate i(s)ch mittäm froagend Unnäton.

So woar`s“, nickte Klausi, „`s  koam noch woas dezu. Die Nordeitsche forderte die Hesse uf, se sollte moal soage:  ich, fürchterlich un gewaltig. Die draa Hesse, konnte des tseha

awä net ri(s)chdi(s)ch aasspre(s)che, se brabbelte nur i(s)ch,fer(s)chtäli(s)ch un gewaldi(s)ch. Doamit

hodde die Draa ihre Sproachkompetenz endgildi(s)ch väspielt.“

`Swär bessä gewäse, `s wärn so freindli(s)che Filosofe wie uns uf däm Dreffe gewäse“, moante Ludwi(s)ch.

Naja, wenn i(s)ch ei(s)ch Gestalte so bedroachte duh“, zwaafelte Klausi, „i(s)ch waaß net, ob die hessisch Sach dort werkli(s)ch gut väträte gewäse wär. Awä si(s)cher seun Fol(s)chendes:

 

 

       Falschä Ton moacht falsch Musik

      Bleedel hobbe doamit selte Gligg.

      Beleidi(s)chunge seun nie sä hilfrei(s)ch

      bringe nur Västimmung, sofodd un glei(s)ch.“

 

 

 

 

 

Übersetzung:„Wisst ihr warum hochdeutsch eher an der Aussprache der Nordeutschen angelehnt ist als an  die der Hessen?“ fragte Klausi, unser Chef-Filosof, in der Kneipe Zum weisen Mondmann.

Das wissen wir nicht“, musste ich freimütig zugeben und trank einen Schluck Bier, „sicher wirst du uns das gleich verraten“.

So um 1750 gab es zwei deutsche Standardsprachen“, informierte der Klausi, „eine norddeutsche und eine süddeutsche, zu der sich auch unter anderen die Schweizer und Österreicher bekannten.

Viele Leute, zum Beispiel die Filosofen wie wir und andere intelligente Menschen, fanden diesen Zustand unerträglich und meinten, man müsste nur eine hochdeutsche Sprache haben. Also trafen sich ungefähr 50 bis 60 Experten aus ganz Deutschland in Frankfurt und beratschlagten, was da zu tun wäre. Die hessischen Vertreter meinten, die neue Einheitssprache sollte sich dem Hessischen richten.Dafür würde es gute und triftige Gründe geben.“

Klausi musste erst mal einen kräftigen Schluck durch seine Kehle fließen lassen, bevor er weitererzählte.„Sie legten zum Beispiel dar, dass viele Wörter und Sätze fast französisch klingen und das war damals die wichtigste Sprache in Europa.“

Welche Beispiele?“ fragte Babettchen.

Unser Chef-Filosof nickte. „Wenn jemand seine Beine verloren hatte, ein Soldat zum Beispiel, dann hieß es...de Moann hodd koa Boa mä (derMann hat keine Beine mehr).Oder wenn`s draußen kalt war und der Papa forderte sein Söhnchen auf eine Jacke anzuziehen, dann sagte er ,,,zick dä a o oa (zieh dir auch eine an). Dies klingt doch französisch, nicht wahr?“

Dem konnten wir nicht widersprechen. „Und manche Formulierungen erinnern sogar andie englische 

Sprache“, ergänzte Klausi, „ich meine die Sätze mit tun, ich tu nicht wissen oder ich tat gestern Bier trinken.“

Auch jetzt konnten wir nicht widersprechen. „Die anderen Vertreter, also Bayern, Sachsen, Österreicher undsoweiter, waren nicht abgeneigt und wollten zuerst dem hessischen Anliegen zustimmen. Ein nordeutscher Experte, `s war ein Hamburger, zögerte noch. Da wurde der eine hessische Vertreter, er hieß JakobBlödbabbler, beleidigend, er sagte: Der stinkige Heringsfresser sollte sein Mäulchen geschlossen halten, oder noch besser mit einem Fisch aus der Nordsee stopfen, offensichtlich hätte er mit seinen Käsefüßen zu oft im Watt gestanden und die Meerluft seinen Verstand umnebelt. Und was taten die zwei Hessenköpfe, die ihn begleiteten?“ Unser Chef-Filosof guckte fragend die anderen Filosofen an, antwortete aber gleich selber. „Sie hielten ihn nicht zurück und sagten....aber Jakob, was redest du da für einen Stuss, lass den Unsinn...nein, sie schwiegen und grinsten wie die Geisteskranken.“

Das war aber sehr unfreundlich“, meinte Babettchen.

Das kannst du laut sagen“, bestätigte Klausi, „auch die Süddeutschen, Österreicher und Schweizer

konnten nur den Kopf schütteln. So sollte man seine nordeutschen Kollegen nicht beschimpfen,

war die einhellige Auffassung. Als der Jakob Blödbabbler gemerkt hatte,was er angerichtet hatte, entschuldigte er sich, aber die Atmosphäre war vergiftet und dass hessisch die Grundlage für die

neue Einheitspräche wäre, war damit kein Thema mehr.“

Aha,das ist also der Grund warum der hessische  Dialekt nur ein Dialekt geblieben ist“, sagte ich mit einem fragenden Unterton.

So war`s“, nickte Klausi, „`s kam noch was dazu. Die Nordeutschen forderten die Hessen auf, sie

sollten mal sagen...ich, fürchterlich und gewaltig. Die drei Hessen konnten das tseha (ch) aber nicht

richtig aussprechen, sie brabbelten nur i(s)ch, fer(s)chtäli(s)ch und gewalti(s)ch. Damit hatten die drei endgültig ihre Sprachkompetenz verspielt.“

`S wäre besser gewesen, es wären so freundlich Filosofen wie wir auf dem Treffen gewesen“. meinte Ludwig.

Naja, wenn ich euch Gestalten so betrachte“, zweifelte Klausi, „ich weiß nicht, ob die hessische Sache dort so gut vertreten gewesen wäre. Aber sicher ist Folgendes:

             FalscherTon macht falsche Musik

              Blödel haben damit selten Glück.

             Beleidigungen sind nie sehr hilfreich

              bringen nur Verstimmung, sofort und gleich.“