Wie koann mä nur äh gäl Zippelmitz ufsetze, rot seun doch viel scheenä. AwäTrozdäm is Marie(s)che meu best Freindin. (Wie kann man nur eine gelbe Zipfelmütze aufsetzen, rot ist doch viel schöner. Aber trotzdem ist Mariechen meine beste Freundin)

    Toleranz-Erziehung für Marko

       

De kloa Macko hadd seum Vaddä, dem Schorchi, vo de Schul väzählt.

    „Moa Lärerinn moant, i(s)ch hädd e Mischsproch, zusaamegesetzt aus finf Regjoone. Un die wärn de Ourewold, die Bergstroß, de Ried, Dammstadd un Fronkfortt.“      „Un? Steert di(s)ch des?“, froate seun Vaddä.

     “Iwähaapt net, awä die Lärerinn hodd e lusdi(s)ch Sproch, zum doodlache. Doa soat se zum Baspiel statt dewerrer dagegen und statt greune weinen. Genauso bleed und debb spricht aach die Monika. Se is nei in unser Klass kumme.

Die wollt doch dahdsä(s)chli(s)ch mi(s)ch besuche gehe, am Noachmiddach, se hädd oagebli(s)ch was net verstanne im Sachkunneunnerricht un ob i(s)ch ihr helfe dähd. Noa, heb i(s)ch zu ihr gesoat, es is schun schlimm genug, dass
die Lärerin di(s)ch nebbe mi(s)ch gehockt hodd, awä wenn du di(s)ch mit mä dreffe willst, dann mach koa Posse un babbel erst moal ma Sproach.“
“Also noa,“antworttete  doa  de Vaddä koppschiddelnd, „des wor werkli(s)ch sehr uufreindli(s)ch vo dä, Macko. Mä seun hier in Hesse halt net de Nabbel de Welt, noch net moal vo Deitschlond. Aaßä hessi(s)ch gibts aach noch

bairi(s)ch, schwäbi(s)ch un viele annere Dialekte un euner davon ist halt hochdeitsch. I(s)ch muss zugäwe  hochdeitsch heert sich oft seltsam oa,ja fremdaddi(s)ch , awä schneide muss mä solche Leit, die so babble, net.“
“Des maan i(s)ch awä aach“, soate da die Muddä,des Lisett(s)che, die wo dezu koam, „ des wor iwärhaapt net dollerant von dir!“

Was haaßt des,  dollerant?“
“Des haaßt soviel wie duldsam ädraache un zwa  freiwilli(s)ch.“, väklärte die Muddä, „ deu Vaddä zim Baspiel is de greeßte Spinnä hier im Ordd un heifi(s)ch issä aach eufach värrickt, awä trotzdäm äduld i(s)ch des un hebb

ihn sogar lieb. Un wennä seun Brenesselgadde oahimmelt, des äduld i(s)ch a noch, awä neulä(s)che duh i(s)ch mi(s)ch trotzdäm net. “

Übersetzung:Der kleine Marko hat seinem Vater, dem Schorch (Georg), von der Schule erzählt.

Meine Lehrerin meint ich hätte eine Mischsprache, zusammengesetzt aus fünf Regionen. Und die wären der Odenwald, die Bergstraße, der Ried, Darmstadt und Frankfurt. „Und? Stört dich das?“
“Überhaupt nicht, aber die Lehrerin hat eine lustige Sprache,zum totlachen. Da sagt sie zum Beispiel statt dewerrä dagegen und statt greune weinen.Genauso blöd und depp spricht auch die Monika. Sie ist neu in unsere Klasse gekommen. Die wollte doch tatsächlich mich besuchen.am Nachmittag., sie hätte angeblich was nicht verstanden im Sachkundeunterricht und ob ich ihr

 

helfen  könne..    Nein, habe ich zu ihr gesagt,es ist schon schlimm genug, dass die Lehrerin dich neben mich gesetzt hatte, wenn du dich mit mir treffen willst, dann mach

keinen Unsinn und sprich erst mal meine Sprache.“       „Also nein“, antwortete der Vater kopfschüttelnd,“das war wirklich sehr unfreundlich von dir, Marko. Wir sind hier in Hessen nicht der Nabel der Welt, noch nicht einmal von Deutschland. Außer hessisch gibt´s auch noch bayrisch, schwäbisch und viele andere Dialekte und einer davon ist hochdeutsch. Ich muss zugeben, hochdeutsch hört sich oft seltsam an, ja fremdartig, aber schneiden muss man solche Leute, die so reden, nicht.“        „Das meine ich aber auch“, sagte die Mutter, die Lisettche, die dazu kam, „das war überhaupt nicht tolerant von dir.“

Was heißt das, tolerant ?“     „Dies heißt soviel wie duldsam ertragen und zwar freiwillig“, erklärte die Mutter,“dein Vater z.B. ist der größte Spinner hier im Ort und häufig auch einfach verrückt, aber trotzdem erdulde ich das und hab ihn sogar lieb. Und wenn er seinen Brenessel-garten anhimmelt, das  erdulde ich auch noch, aber reinlegen , das mach ich trotzdem nicht“.