Mariechen ist verbittert


„I(s)ch seun ar(s)ch väbiddert“, ziernte Marie(s)che un tigerte in de Wohnung rim.

Ei(s)chenaddi(s)ch, hebb i(s)ch mä gedenkt, wohä hodd des kloane Mäd(s)che dies selte Wordd un woarim moant es, es hädd diese iewle Gemietstsimmung?

„Weshalb seun du väbiddert, Marie(s)che?“ daht i(s)ch es deshalb froage, in de Hoffnung Näheres deriwwä zu äfoahrn,

„Im Kinnägadde musst i(s)ch biddä Gemies esse, Fraa Maddschbern hodd des in meu Meil(s)che gestoppt. Se hodd mi(s)ch dezu gezwunge.“

Ah, doa hodd`s in meunäm Hern Klick gemacht: Des Kinn moant mit Väbiddärung goar koan Gemietszustoand, sunnern ähn iewles Geschmacksemfinne uf de Zung.

„Wie willsde des ännern?  I(s)ch duh dä äh Stick Schokoload gewwe, Marie(s)che, doann bisde wirrä frehli(s)ch“, schluuch i(s)ch vo.

Nadierli(s)ch woar des Mäd(s)che mit däm Vosclaach sofordd euvästoanne un äh Minut spätä daht`s  frehli(s)ch hippend Schokoload schmaddse. Nun fiehlte si(s)ch Marie(s)che nemmä väbiddert, sunnern freidi(s)ch eugesießt.



Marie(s)che, väbiddert vo ekli(s)ch Gemies

schockiert dor(s)ch oan Horror-Geschmacksäläbnis

braacht jedds uubedingt eun Gliggsäläbnis

muss stoppe Schokoload,wohltuend sieß.

Wäm diesä Vierzeile zu loang seun koann aach mit däm folgende Zwaazaalä die Siduaddsjoon äfasse:



Noachäm biddä-ekli(s)ch Gemies

braacht`s Schokoload, goans sieß.

  

Übersetzung: „Ich bin sehr verbittert“, zürnte Mariechen und tigerte in der Wohnung rum.

Eigenartig dachte ich mir, woher hat das kleine Mädchen dieses seltene Wort und warum meint es, es hätte diese üble Gemütsstimmung?

„Weshalb bist du verbittert, Mariechen?“ fargte ich deshalb, in der Hoffnung Näheres darüber zu erfahren,

„Im Kindergarten musste ich bitters Gemüse essen, Frau Matschbirne hat das in mein Mäulchen gestopft, Sie hat mich dazu gezwungen.“

Ah,da hat es in meinem Hirn Klick gemacht: Das Kind meint mit Verbitterung gar keinen Gemütszustand, sondern ein übles Geschmacksempfinden auf der Zunge.

„Wie willst du das ändern? Ich geb dir ein Stück Schokolade, Mariechen, dann bist du wieder fröhlich“, schlug ich vor.

Natürlich war das Mädchen mit diesem Vorschlag sofort einverstanden und eine Minute später später schmatzte es fröhlich hüpfend. Nun fühlte sich Mariechen nicht mehr verbittert, sondern freudig eingesüßt.

Mariechen, verbittert vom eklig Gemüs

schockiert durch ein Horror-Geschmackserlebnis

braucht jetzt unbedingt ein Glückserlebnis

muss stopfen Schokolade, wohltuend süß.

Wem dieser Vierzeiler zu lang ist, kann auch mit dem folgenden Zweizeiler die Situation erfassen:

Nach dem bitter-eklig Gemüs

braucht`s Schokolade, ganz süß.